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Finanzierung

Verkäuferdarlehen und Schuldscheine: Wie sie den Deal versüßen können

14. Januar 2025 · 9 Min. Lesezeit
Verkäuferdarlehen und Schuldscheine: Wie sie den Deal versüßen können

Wie Verkäuferdarlehen und Schuldscheine den Deal versüßen können

Den richtigen Kaufpreis auszuhandeln steht beim Verkauf eines kleinen Unternehmens stets im Vordergrund. Doch haben Sie schon einmal über die Möglichkeiten kreativer Finanzierungsinstrumente nachgedacht, um die Transaktion insgesamt aufzuwerten? Manchmal ist ein höheres Barangebot zur sofortigen Zahlung nicht das Maß aller Dinge, besonders dann nicht, wenn Sie und der Käufer Mühe haben, eine Lücke bei Bewertung oder Bedingungen zu schließen. Hier kommen Verkäuferdarlehen (Seller Notes) und Schuldscheine (Promissory Notes) ins Spiel. Diese Finanzierungsinstrumente können den Deal versüßen, das Risiko des Käufers verringern und Ihnen die Chance geben, sich über die Zeit eine günstige Auszahlung zu sichern. Doch wie funktionieren sie? Und wie können Sie als Inhaberin oder Inhaber eines kleinen Unternehmens diese Möglichkeiten optimal nutzen, ohne sich unnötigem Risiko auszusetzen? Tauchen wir ein.

Was sind Verkäuferdarlehen und Schuldscheine?

Ein Verkäuferdarlehen (oft als eine Form des Schuldscheins bezeichnet) ist ein Finanzierungsinstrument, bei dem Sie als verkaufende Partei zustimmen, dem Käufer einen Teil des Kaufpreises zu leihen. Statt 100 % Ihres Erlöses beim Closing zu erhalten, gewähren Sie eine gestreckte Zahlungsstruktur. Der Schuldschein regelt den Tilgungsplan, den Zinssatz und die Bedingungen, unter denen der Käufer Ihnen regelmäßige Zahlungen leistet, bis die Schuld getilgt ist.

Warum sie bei Verkäufen kleiner Unternehmen häufig sind

  • Bewertungslücken überbrücken: Wenn Verkäufer und Käufer über den Wert des Unternehmens uneins sind, kann ein Verkäuferdarlehen es dem Käufer ermöglichen, einen Teil des Kaufpreises vorab und den Rest über die Zeit zu zahlen, sofern sich Ihre Bewertung als zutreffend erweist.
  • Kleinere Deals ermöglichen: Klassische Kreditgeber zögern womöglich, eine Unternehmensakquisition ganz oder teilweise zu finanzieren, vor allem wenn das Unternehmen eher klein ist oder nur über begrenzte Sicherheiten verfügt.
  • In umkämpften Märkten bestehen: Wenn Sie sich von anderen Verkäufern abheben möchten, kann das Angebot eines Verkäuferdarlehens einen Käufer locken, ohne dass Sie auf Ihren Gesamtkaufpreis verzichten.

Wesentliche Unterschiede zwischen Verkäuferdarlehen und klassischer Bankfinanzierung

Faktor

Verkäuferdarlehen

Klassisches Bankdarlehen

Genehmigungsprozess

In der Regel schneller, weniger Hürden

Strenge Kreditprüfung, längere Zeiträume

Anforderungen an Sicherheiten

Oft auf der Zusage des Käufers und Unternehmensvermögen basierend

Üblicherweise mit Unternehmens- und Privatvermögen besichert

Zinssätze

Können je nach Risikoprofil verhandelt werden

Sätze richten sich nach Bankrichtlinien und Kreditmarkt

Flexibilität der Bedingungen

Hochgradig anpassbar

Standardisiert nach den Kriterien des Kreditgebers

Beziehungsdynamik

Direkte Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer

Drittkreditgeber, weniger direkte Verhandlung

Warum Verkäuferdarlehen und Schuldscheine einsetzen?

Sich auf eine sofortige Barzahlung zu verlassen ist verlockend, doch viele Verkäufer stellen fest, dass die Einführung einer Verkäuferfinanzierung über einen Schuldschein neue Möglichkeiten eröffnen kann. Es ist allerdings wichtig, diese Vorteile gegen mögliche Nachteile abzuwägen, bevor Sie entscheiden, ob diese Struktur die richtige für Sie ist.

Mögliche Vorteile

  • Erweitern Sie Ihren Käuferkreis: Das Angebot eines Verkäuferdarlehens kann mehr potenzielle Käufer anziehen, besonders solche, denen sofortige Mittel fehlen oder die Mühe haben, eine externe Finanzierung zu finden.
  • Steigern Sie den Gesamtverkaufswert: Wenn Sie einem Verkäuferdarlehen zustimmen, können Sie einen höheren Gesamtkaufpreis durchsetzen, weil Sie helfen, das Risiko des Käufers zu mindern.
  • Erzielen Sie Zinserträge: Sie können Zinsen auf den ausstehenden Saldo verdienen und so Ihren Gesamterlös über die Zeit faktisch erhöhen.
  • Ermöglichen Sie einen schnelleren Abschluss: Ohne auf Freigaben klassischer Kreditgeber warten zu müssen, kann Ihr Verkauf früher abgeschlossen werden, was Unsicherheit und Haltekosten verringert.

Mögliche Nachteile

  • Risiko des Zahlungsausfalls: Führt der Käufer das Unternehmen nicht gut, könnten Sie ausstehenden Zahlungen hinterherlaufen oder, falls das Darlehen besichert ist, sogar gezwungen sein, Vermögenswerte zurückzunehmen.
  • Fortgesetzte Einbindung: Sie sind erst dann ganz vom Unternehmen losgelöst, wenn das Darlehen vollständig getilgt ist. Die Leistung des Käufers kann sich unmittelbar auf Ihr finanzielles Ergebnis auswirken.
  • Rechtliche Komplexität: Das Aufsetzen durchsetzbarer Schuldscheine erfordert sorgfältige rechtliche Begleitung. Schlecht strukturierte Vereinbarungen können zu Streitigkeiten oder erheblichen finanziellen Risiken führen.
  • Längerer Zeitraum bis zum Erlös: Statt mit einer Einmalsumme davonzugehen, erhalten Sie Zahlungen über Monate oder Jahre. Für manche Verkäufer kann ein aufgeschobenes Einkommen die Ruhestands- oder Wiederanlageplanung erschweren.

Verkäuferdarlehen und Schuldscheine strukturieren

Ein belastbares Verkäuferdarlehen oder einen belastbaren Schuldschein zu gestalten geht über das Schreiben eines Schuldanerkenntnisses hinaus. Diese Instrumente müssen genaue Verpflichtungen, Tilgungspläne, Zinssätze, Sicherungsbestimmungen und Abhilfen bei Verzug festlegen, damit beiden Parteien von Tag eins an alles klar ist.

Wesentliche Bestandteile

  • Darlehensbetrag (Nennbetrag): Der Teil des Kaufpreises, der über das Verkäuferdarlehen finanziert und nicht beim Closing gezahlt wird.
  • Zinssatz: Typischerweise höher als der Satz eines üblichen Bankdarlehens, um Sie als Verkäufer für das erhöhte Risiko zu entschädigen.
  • Laufzeit: Sie reicht je nach Größe des Deals und dem prognostizierten Cashflow des Käufers von einem bis zu sieben Jahren oder mehr.
  • Tilgungsplan: Legt fest, wie Zahlungen über die Zeit auf Tilgung und Zinsen angerechnet werden.
  • Sicherheiten oder Besicherung: Kann Unternehmensvermögen, persönliche Bürgschaften oder nachrangige Pfandrechte umfassen, um Ihre Position als Kreditgeber zu schützen.

Tilgungsbedingungen festlegen

Wenn Sie entscheiden, wie und wann der Käufer zahlt:

  • Monatliche oder vierteljährliche Raten: Häufige Raten können den operativen Cashflow des Käufers widerspiegeln, aber stellen Sie sicher, dass der Käufer den Zahlungsplan bequem bewältigen kann.
  • Ballonzahlungen: Manche Schuldscheine münden am Ende der Laufzeit in eine große „Ballon“-Zahlung. Das kann dem Käufer Zeit verschaffen, den Cashflow auszubauen, fügt aber das Risiko einer abschließenden Einmalsumme hinzu.
  • Reine Zinsphasen: In bestimmten Fällen können Sie dem Käufer erlauben, für einen festgelegten Zeitraum nur Zinsen zu zahlen, ideal für Unternehmen, die nach dem Verkauf zunächst Betriebskapital zur Stabilisierung benötigen.
  • Säumnisgebühren und Strafen: Legen Sie die Folgen verspäteter oder ausgebliebener Zahlungen klar fest, einschließlich möglicher Verzugsbestimmungen, um Ihr finanzielles Interesse zu schützen.

Ihre Interessen schützen

In die Rolle eines Kreditgebers zu schlüpfen bedeutet, gewisse Verantwortlichkeiten und Risiken zu übernehmen. Um Ihren Erlös zu schützen und einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, richten Sie Schutzmaßnahmen ein, bevor Sie ein Verkäuferdarlehen oder einen Schuldschein abschließen.

Überwachung und Durchsetzung

  • Regelmäßige Finanzberichte: Bestehen Sie auf der zeitnahen Vorlage von Jahresabschlüssen, Gewinn- und Verlustrechnungen oder anderen wichtigen Leistungskennzahlen, die die betriebliche Gesundheit des Käufers widerspiegeln.
  • Prüfungsrecht: Bei größeren Deals sollten Sie sich das Recht vorbehalten, Prüfungen durchzuführen oder die Bücher des Unternehmens einzusehen. Das kann entscheidend sein, wenn Sie Grund haben, eine ungenaue Berichterstattung zu vermuten.
  • Sicherungsrechte: Wenn Sie das Darlehen gegen das Unternehmensvermögen besichern, haben Sie einen Rückgriff, falls der Käufer in Verzug gerät. Stellen Sie sicher, dass Sie etwaige UCC-Pfandrechte (Uniform Commercial Code) ordnungsgemäß eintragen lassen, um Ihr Sicherungsrecht zu perfektionieren.

Streitbeilegung

Sollten Konflikte aufkommen, ob verspätete Zahlungen oder Uneinigkeit über Jahresabschlüsse, legen Sie in Ihrem Schuldschein einen klaren Prozess zur Streitbeilegung fest:

  • Mediation oder Schiedsverfahren: Spart im Vergleich zu einem Gerichtsprozess Zeit und Geld. Beide Parteien können Streitigkeiten mit einer neutralen dritten Partei lösen, ohne vor Gericht zu ziehen.
  • Gerichtsstand und anwendbares Recht: Legen Sie fest, welches Recht für den Schuldschein gilt und wo etwaige Verfahren stattfinden würden, um Unklarheiten zu verringern, falls es schiefgeht.
  • Abhilfen bei Verzug: Beschreiben Sie ausdrücklich die Schritte, die Sie im Falle eines Verzugs ergreifen, etwa die Verwertung von Sicherheiten oder die gerichtliche Geltendmachung.

Die Bedingungen aushandeln

Verhandlungen über ein Verkäuferdarlehen oder einen Schuldschein sind selten einseitig. Sie wollen Bedingungen, die Ihre Interessen schützen, während der Käufer für überschaubare Zahlungen und flexible Aufsicht argumentieren wird. Eine Balance zu finden ist entscheidend.

Die Sicht des Käufers

Aus Sicht des Käufers bietet die Verkäuferfinanzierung:

  • Geringerer Bedarf an Vorab-Barmitteln: So kann er Kapital für Betriebsmittel oder Wachstumsinitiativen behalten.
  • Flexibilität: Der Käufer könnte auf variable Zinssätze oder reine Zinsphasen drängen.
  • Nachrangige Finanzierung: Verkäuferdarlehen stehen in der Tilgungshierarchie oft hinter anderen vorrangigen Schulden (etwa einem Bankdarlehen), was der Käufer schätzt, was aber Ihr Risiko erhöht.

Ihre Sicht

Als Verkäufer sollten Sie:

  • Transparente finanzielle Verpflichtungen festlegen: Vage oder offene Tilgungsbedingungen laden zu Nichtzahlung oder chronischen Verzögerungen ein.
  • Eine faire Risikoentschädigung verlangen: Verhandeln Sie einen wettbewerbsfähigen Zinssatz oder persönliche Bürgschaften.
  • Sicherheit priorisieren: Versuchen Sie, das Darlehen mit greifbaren Vermögenswerten zu besichern. Gerät der Käufer in Verzug und ist zudem ein vorrangiger Kreditgeber beteiligt, könnte Ihre Position gefährdet sein.

Einbindung nach dem Verkauf

Ähnlich wie bei einer Earn-out-Vereinbarung bedeutet das Angebot eines Verkäuferdarlehens oft eine fortgesetzte Einbindung in das Unternehmen nach dem Verkauf. Dieser Aspekt kann für Verkäufer überraschend sein, die sich anfangs einen klaren Schnitt vorgestellt hatten.

Einen reibungslosen Übergang sicherstellen

  • Schulung und Unterstützung: Wenn Sie den Käufer und wichtige Teammitglieder schulen, können Sie dazu beitragen, dass das Unternehmen stabil und profitabel bleibt, was ihnen hilft, ihre Zahlungsverpflichtungen Ihnen gegenüber zu erfüllen.
  • Beziehungen übergeben: Stellen Sie den Käufer treuen Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden vor. Ihre Fürsprache kann Vertrauensbedenken zerstreuen und Einnahmequellen intakt halten.

Zahlungen verfolgen und Verantwortlichkeit sichern

  • Regelmäßige Abstimmungen: Auch wenn Sie nicht zum Managementteam gehören, planen Sie regelmäßige Gespräche, um die betriebliche Leistung im Blick zu behalten. Das kann auch Wohlwollen aufbauen und Missverständnisse minimieren.
  • Ordentliche Dokumentation führen: Halten Sie jede Zahlung, jede Zinsberechnung und jede Kommunikation zum Darlehen fest. Eine klare Dokumentation ist von unschätzbarem Wert, falls Streitigkeiten aufkommen.

Vor- und Nachteile auf einen Blick

Nutzen Sie die folgende Tabelle als schnelle Orientierung bei der Entscheidung, ob ein Verkäuferdarlehen oder ein Schuldschein für Sie das Richtige ist:

Vorteile

Nachteile

Einen breiteren Käuferkreis anziehen

Risiko von Verzug oder verspäteten Zahlungen

Möglicher höherer Gesamtverkaufspreis durch Zinsen

Verlängerte Einbindung in das Unternehmen

Kann helfen, Bewertungslücken zu überbrücken und Deals schneller abzuschließen

Erfordert sorgfältige rechtliche Gestaltung, um Streitigkeiten zu vermeiden

Potenzial für Zinserträge über die Laufzeit des Darlehens

Nicht den gesamten Erlös beim Closing zu erhalten, kann Ruhestand oder Wiederanlage erschweren

Alles zusammengeführt

Wenn Sie entscheiden, wie Sie Verkäuferdarlehen und Schuldscheine am besten in den Verkauf Ihres kleinen Unternehmens einbinden, behalten Sie das oberste Ziel im Blick: eine faire, sichere Transaktion, die zu Ihren persönlichen und finanziellen Wünschen passt. Hier eine kurze Übersicht:

  1. Schätzen Sie Ihre Risikobereitschaft ein: Entscheiden Sie, ob Sie sich damit wohlfühlen, dem Käufer Kredit zu gewähren und einen Teil Ihres Erlöses aufzuschieben.
  2. Wählen Sie überschaubare Darlehensgrößen: Strukturieren Sie das Darlehen so, dass Sie auch dann nicht in eine finanzielle Notlage geraten, wenn Sie nicht jeden Cent davon sehen.
  3. Verhandeln Sie starke Schutzmechanismen: Streben Sie persönliche Bürgschaften, Sicherungsrechte an Vermögenswerten und robuste Abhilfen bei Verzug an, um Ihre Position zu sichern.
  4. Vereinfachen Sie Ihre Bedingungen: Übermäßig komplexe Darlehensstrukturen öffnen Missverständnissen und Rechtsstreitigkeiten Tür und Tor.
  5. Bleiben Sie engagiert, aber zurückhaltend: Überwachen Sie die Finanzen und pflegen Sie eine gute Kommunikation, lassen Sie dem Käufer aber die operative Freiheit, das Unternehmen effizient zu führen.

Zusammenfassung

  • Verkäuferdarlehen und Schuldscheine können Ihren Deal attraktiver machen, besonders in Märkten, in denen Käufer Mühe haben, eine klassische Finanzierung zu sichern.
  • Diese Instrumente erlauben es Ihnen, einen Teil des Kaufpreises für eine höhere Gesamtrendite aufzuschieben, allerdings um den Preis eines zusätzlichen Risikos und einer längeren Einbindung nach dem Verkauf.
  • Sie richtig zu strukturieren, also Darlehensbetrag, Zinssätze, Tilgungsbedingungen und Sicherheiten abzudecken, ist entscheidend, um Ihre finanziellen Interessen zu schützen.
  • Die Verhandlung ist keine Einbahnstraße: Käufer schätzen die geringere Vorabbelastung, während Sie für die damit verbundenen Risiken entschädigt werden sollten.
  • Eine ordentliche Überwachung, klare Methoden zur Streitbeilegung und transparente Kommunikation können den Weg für eine erfolgreiche Tilgung und einen reibungslosen Übergang ebnen.

Der Verkauf Ihres kleinen Unternehmens ist ein entscheidender Moment. Ob Verkäuferdarlehen oder Schuldscheine den Deal „versüßen“, hängt von Ihrer Risikobereitschaft, den finanziellen Fähigkeiten des Käufers und davon ab, wie gut Sie Ihre Finanzierungsvereinbarung strukturieren. Mit sorgfältiger Vorarbeit, und vielleicht einem erfahrenen M&A-Anwalt an Ihrer Seite, können diese Darlehen Lücken überbrücken, Ihren Gesamtverkaufspreis steigern und Ihren Übergang so konfliktfrei wie möglich gestalten.

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